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Etwas zur Historie der kleinen Warenautomaten
Erst 1871, als im Kaiserreich ein einheitliches Münzsystem eingeführt wurde,
wurden die - in England schon seit 2 Jahrzehnten eingesetzten
Warenautomaten - auch für Deutschland interessant. In diesem Beginn der
Industrialisierung waren herausragende mechanische Fähigkeiten vorhanden,
die dann zur Entwicklung von "selbstthätigen Verkaufsgeräten" führten.
Der Kölner Schokoladenfabrikant Ludwig Stollwerck war Vorreiter im Einsatz
der Warenautomaten für seine Markenprodukte. Mit Max Sielaff, dem genialen
Ingenieur aus Berlin als Konstrukteur und der Produktion der Metallwerke
Theodor Bergmann in Gaggenau, wurden schon 1887 Automaten für den Verkauf
der Schokolade eingesetzt.
Schnell kamen um die Jahrhundertwende andere Markenhersteller auf die Idee,
diesen Vertriebsweg für ihre Produkte zu nutzen.
Auch die Einzelhändler waren begeistert ihren Kunden jetzt auch außerhalb
der Geschäftszeiten ihre Waren automatisch verkaufen zu können.
Über die Geschichte der Warenautomaten - über Präsenzpflicht, Koppelung mit
Ladenöffnungszeiten, polizeiliche Vorschriften, bis hin zum Einwand der
Kirchen, dass die ständige Verfügbarkeit von Süßigkeiten die Kinder süchtig
macht - sind viel schlaue Bücher geschrieben worden.
Ich empfehle dem Interessierten:
* Automatenwelten- FreiZeitzeugen des Jahrhunderts von Nils Jockel
* Lucky Dice und Henkeltöpfchen, Schöne alte Automaten von Birgit Friederike Haberbosch
* Wenn der Groschen fällt, Münzautomaten gestern und heute von Cornelia Kemp und Ulrike Gierlinger
* Alte Münzautomaten von Friedrich K. Struckmeier und Georg Metz
Im Handel sind diese Bücher schwer erhältlich. Über ebay tauchen sie in der
Rubrik "Warenautomaten" manchmal auf.
In den Zwanziger und Dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts kam die erste
Blütezeit für alle Arten von stummen Verkäufern bis hin zum kompletten
Automatenrestaurant. Herrliche Automaten im Stil der Zeit, optisch
künstlerisch gestaltet und technisch wahre Wunderwerke - sie erzielen heute
Höchstpreise bei Sammlern.
1948 ging es dann nach dem Krieg wieder los. Für alles gab es Automaten -
meist an den Geschäften der Einzelhändler durch die noch vorhandene
Residenzpflicht und an Bahnhöfen, die einer Sonderregelung unterlagen.
Alles wurde verkauft in diesen goldenen Automatenjahren zwischen 1950 und
1990: Zigaretten, Streichhölzer, Süßigkeiten wie PEZ, Dr. Hillers, VIVIL,
Wrigley; Kondome, Ansichtskarten und in der weiteren Entwicklung -
Strümpfe, Filme, Blumen, Briefmarken, Essenmarken - und, und, und.
Unzählige Kinderautomaten an jeder zweiten Straßenecke verkaufen
Kaugummikugeln und andere kleine Süßigkeiten.
Parallel gibt es viele Dienstleistungsgeräte, wie automatische Waagen,
Münztelefone, Parkuhren, usw.
Die Daddelautomaten zahltem dem Wirt in der Gaststätte die Miete und mit dem
Flipper wurden die Runden ausgespielt.
Übrigens - noch heute gibt es eine strenge Trennung der verschiedenen
Automatenbereiche,
Die Aufsteller der Getränke- und Warenautomaten haben ihren eigenen Verband,
so auch die Hersteller und Betreiber von Unterhaltungs- und
Glücksspielautomaten, die Aufsteller der Zigarettenautomaten und natürlich
auch die Aufsteller der Kleingeräte für Süßigkeiten und Kapseln mit Schmuck
und Spielwaren für Kinder.
Außerhalb dieser Verbände und jeweils verschieden, die Parkautomaten, die
Briefmarkenautomaten der Post und die Fahrkartenautomaten der Bahn.
Aber alle Automaten nutzen die gleichen Zahlungssysteme von der Barzahlung
bis hin zur Kartenabbuchung - und das eint sie dann irgendwie doch.
Der Gesetzgeber war übrigens immer beim Einsatz von Automaten dabei.
Luftraumsteuer, Vergnügungssteuer, Erlaubnisgebühren, Gewerbeanzeigen sind
nur einige Stichworte.
1956 importierte die deutsche Coca - Cola Organisation die ersten Vendo -
Flaschenkühlautomaten und setzte in den kommenden 4 Jahrzehnten ihr Zeichen
in der Betriebsverpflegung und im public vending an Bahnhöfen und
Raststätten. Kaffeeautomaten gehörten bald dazu, gemäß dem damaligen BDV -
Verbandsslogan
von Heinz Schriefers "Heiß und Kalt sind gute Partner" ( BDV
Bundesverband der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft e. V. in Köln )
1990 konnte man grob von 200.000 Flaschenautomaten, 100.000
Heißgetränkeautomaten und 50.000 großen Warenautomaten sprechen, meist
eingesetzt in der Betriebsverpflegung.
Der Einsatz der Automaten in der Öffentlichkeit geht zurück. Der
Vandalismus hat derart überhand genommen vom Einbruch über Manipulation bis
hin zum kompletten Diebstahl des Automaten, daß die Automaten für viele
Produkte sich nicht mehr rechnen und aus unserem Alltag verschwunden sind.
Vielleicht ändert sich das wieder, wenn durch Kartenzahlungen der Anreiz des
Bargeldes im Gerät verschwindet.
Zigarettenautomaten werden weniger durch die Antiraucherkampagnen und die
Forderung Kartensysteme einzubauen für die Altersbestimmung des Käufers.
Die Automaten in meiner Sammlung "Wirf 'nen Groschen rein" sind Zeitzeugen
einer fast hundertjährigen Epoche vom STOLLWERCK Automaten von 1910 bis hin
zum modernen POMINO Getränkeautomaten. In ihrer aktiven Zeit haben die
Geräte Patina und Gebrauchsspuren angesetzt, die zeigen, dass sie gelebt
haben. Eine Überholung oder Neulackierung würde ihren Charakter beschädigen
und würde ihnen ihr Flair nehmen.
Ich hoffe, Sie erfreuen sich an den Bildern und möge beim Betrachten der
Automaten die eine oder andere Erinnerung kommen an "gute, alte Zeiten".
Hans Domberg
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